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Die  Hans Radl Schule wurde vor über 50 Jahren von einem kriegsversehrten körperbehinderten Lehrer gegründet. Ihm fiel auf, dass Kinder mit Körperbehinderungen aufgrund besonderer Bedürfnisse auch eine dementsprechende Schule brauchten. Rollstuhlkinder brauchen zum Beispiel eine Schule mit mehreren Liften und Rampen. panagenda ist durch die Initiative von Katrin Hermann auf die Schule aufmerksam geworden. Wir schätzen die Arbeit und das Angebot sehr. Besonders imposant ist Katrins Einsatz, die Chancengleichheit für ihre Schüler zu erhöhen. Einer ihrer Wünsche, mit den Schülern ein kulturelles Event zu besuchen, konnten wir erfüllen und freuen uns sehr über die Begeisterung die dadurch entstanden ist.

panagenda4good: Musical „Dance of the Vampires“ at Ronacher Vienna
Katrin Hermann: Interview with panagenda
Katrin HermannLehrkraft an der Hans Radl Schule

Das Sponsoring ist dank deiner Initiative entstanden.
Was war deine Motivation bzw. dein Antrieb für diesen Ausflug?

Wien ist eine große Theaterstadt. Wer in Wien lebt, sollte sich dessen bewusst sein, weil es einem viele Möglichkeiten bietet. Das Theater bietet zum Beispiel die Möglichkeit, in eine andere Welt einzutauchen. Man kann sich mit anderen Rollen identifizieren oder eine neue Seite an sich selbst kennen lernen. Man kann dadurch in eine Welt – auch Gedankenwelt – vordringen, die man so im Alltag vielleicht gar nie kennen lernt. Die Jugendlichen in unserer Klasse sind in einem Alter, in dem man einen Weg sucht – seinen eigenen Weg! Und das Stück „Tanz der Vampire“ bietet enorm viel, das zu Gedanken dieser Altersklasse passt: Ausbrechen, Grenzen überschreiten, Sehnsucht, Gefahr, Liebe. Für die meisten Schüler war das der erste Besuch einer solchen Veranstaltung. Ich finde es wichtig, den Jugendlichen den Zugang zu solchen Erlebnissen zu ermöglichen.

Wie waren die Reaktionen und was hat den Schülern am meisten gefallen?

Die Jugendlichen waren begeistert und wie verzaubert. Die schönen Räumlichkeiten, die umwerfenden Kulissen, die wirklich herausragenden Kostüme, die Maske, dazu Musik von Jim Steinman und jede Menge Dynamik in der Darstellung  – es war einfach fantastisch. Die SchülerInnen meinten, sie hätten sich das Stück danach gleich nochmal ansehen können. Sie waren komplett gefangen von dieser Welt, die große Emotionen weckte. Und das war auch gut und wichtig. Denn so sehen sie, wie spannend und fesselnd ein Theaterbesuch sein kann. Außerdem merkten sie, warum es Sinn macht, sich ein wenig „rauszuputzen“ – ein Akt der Höflichkeit. Das kann man auch ganzheitliches Lernen nennen, vor allem, wenn Theaterbesuche Seltenheitswert haben.

Was ist dir persönlich an Kunst und Kultur wichtig.
Was bedeutet das in Hinblick auf deine Schüler?

Ich habe vorhin schon erwähnt, dass ich die Möglichkeit, in andere Rollen zu schlüpfen, für sehr wichtig befinde. Ich meine, es stärkt das emotionale, aber auch soziale Empfinden – und das sind Tugenden, die in dieser Welt wichtig sind. Ihnen diese Gedankenwelt zu eröffnen bzw. eine Möglichkeit zu bieten, einmal etwas ganz anderes zu sehen, könnte in dem einen oder anderen vielleicht auch die Hoffnung stärken, sich mehr zuzutrauen. Die Kunst hat viel mit Freiheit zu tun. Die Freiheit, anders zu denken oder auch einfach sich zu erlauben, Sehnsüchte zu haben, die man sonst im Alltag eher als unmöglich abtut. Es geht auch um die Erfahrung, sich mit einer Rolle zu identifizieren, Gemeinsamkeiten zu erkennen. Das Menschliche im Anderen und somit auch in sich zu sehen – fast ein Weckruf zur Toleranz, könnte man sagen. Und Kunst sollte zwischendurch auch zum Nachdenken anregen –  Affinität oder Abscheu – was hat das mit mir zu tun? Und zwar, bevor ich noch über etwas urteile…weg vom Schwarz-Weiß-Denken und hin zu Punkten, Streifen, Karos und natürlich sehr vielem mehr.

panagenda4good: Musical „Dance of the Vampires“ at Ronacher Vienna

Du sprichst von neuen Rollen und der Alltag ist sicherlich nicht immer einfach.
Wie sieht denn ein ganz normaler Schultag bei euch aus?

Das LehrerInnen-Dasein hat nicht immer vorrangig mit Wissensvermittlung zu tun. Zum Leben in der Schule gehört viel Sozialarbeit, Konfliktmanagement, Verständnis für verschiedene Perspektiven, Vermittlung von Struktur und Klarheit, die Stillen aus den Schneckenhäusern holen und den Lauten vermitteln, dass sie wahrgenommen werden, auch wenn sie ihre Bedürfnisse leiser kundtun. Zuhören, Zuversicht vermitteln, Lebensbejahung und sich als klares Gegenüber, aber auch als Begleiter zu positionieren. Wenn dies zum Grundtenor wird, dann habe ich die Basis, um unterrichten zu können. Der Unterricht beginnt mit dem Abgeben der Mitteilungshefte, da dies auch das Kommunikationsmittel für Eltern ist, die Anliegen haben. Die Pflege der Schulpartnerschaft ist uns wichtig. Je nach Gegenstand wird unterrichtet und in manchen Fächern sind nicht immer alle Kinder da, da es in unserer Schule auch Therapieangebote gibt, die während des  Schulalltags angeboten werden. Da wir in Kleinklassen arbeiten, ist das Nachholen des Versäumten einfacher. Durch die kleine Gruppe sind wir sehr nah an den Kindern dran und können viel individueller auf sie eingehen. Das ist der große Vorteil der kleineren Gruppe.

Was sind für dich die wichtigsten Aufgaben in deinem Beruf?

Vermittlung von Wissen und Werten. Da wir mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, können wir unsere Arbeit nicht auf die Wissensvermittlung beschränken. Um sich im Leben orientieren und gut bestehen zu können, muss man sich auch mit Werten beschäftigen. Und Erziehung geht nur über Beziehung. Ich muss das Kind als Ganzes sehen – das Kind mit seiner Geschichte und es dort sozusagen abholen. Hinter dem, was wir sagen, muss eine Haltung spürbar sein. Kunst vermittelt auch Werte und Strömungen. Das Abwägen von Pro und Contra, das Erweitern des Horizonts durch die Bereitschaft zuzuhören und auch das Bemühen um gemeinsame Ziele sind sehr wichtig. Dazu kommt natürlich, dass Wertschätzung und Kommunikation viel Raum  bekommen. Und was letztendlich auch motiviert, ist ein Quäntchen Humor und Leichtigkeit. Ich möchte, dass ich jedes Kind in gesundem Maß fordere und fördere. Die gute Zusammenarbeit mit Eltern und deren Interesse am Kind sind dabei wesentlich von Vorteil. Ebenso wichtig ist das Soziale Lernen. Das Wir-Gefühl in einer Gruppe kann das Wohlfühlen sehr positiv beeinflussen. Alle Menschen lernen in einem friedlichen, wohlwollenden Umfeld besser. Jedes Kind soll sich in der Schule sicher und willkommen fühlen.

panagenda4good: Musical „Dance of the Vampires“ at Ronacher Vienna

Ganz panagenda freut sich, dass wir an eurem Ausflug teilhaben konnten und möchten dir für deinen Einsatz danken.
Was kannst du anderen Menschen raten, die gerne helfen wollen und sich für das Thema interessieren?

Ich rate, der Gleichgültigkeit keinen Raum zu geben. Alles, was der Bildung dient, dient im Grunde auch dem Frieden. Ob sich Menschen Zeit nehmen, einem kleinen Kind oder einem Menschen im Altersheim vorzulesen oder einer Klasse einen Theaterbesuch zu sponsern, kommt im Grunde auf dasselbe raus. Man ermöglicht besondere Momente. Diese bekommen einen Wert. Dies steigert auf allen Seiten auch den Selbstwert. Und das ist auch ein Stück Friedenserziehung. Helfen geht über Zeit, Engagement, Zuwendung und manchmal natürlich auch Geld. Wenn jeder ein wenig von dem gibt, was er geben kann, dann ist das in der Summe viel. Und wenn man sich bewusst in seinem Umfeld umschaut und zuhört, dann findet man auch die Stelle, wo man sich hilfreich einbringen kann.

#panagenda4good: Tanz der Vampire Vienna

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