in Blog, panagenda Team

Vergangene Woche kochten fünf Mitarbeiter der panagenda eine warme Mahlzeit für über 160 Obdachlose in der Wiener Gruft. Seit mehr als 30 Jahren ist die „Gruft“ Wiens bekannteste Caritas Einrichtung für Obdachlose. 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr bietet sie den Menschen auf der Straße einen sicheren Zufluchtsort. Die Betroffenen erhalten eine warme Mahlzeit, einen Schlafplatz, saubere Kleidung und die Möglichkeit zu duschen. Das Unterstützungspersonal hilft auch dabei, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren und hat ein offenes Ohr für die Probleme und Anliegen der Klienten.

Gruft: Julia, Katrin, Hafi, Danny, Karin

Geschichte der Gruft

Wie der Namen schon erahnen lässt, handelt es sich tatsächlich um eine Gruft. Im Sommer 1986 boten Schüler des naheliegenden Gymnasiums Amerling Obdachlosen im Wiener Bezirk Mariahilf Tee und Schmalzbrote an. Als die Monate kälter wurden, baten sie Albert Gabriel, den Pastor der Mariahilfer Pfarre, um Unterstützung für die kalte Jahreszeit.  Den einzigen Raum, den er anbieten konnte, war die Krypta der Mariahilfer Kirche.

Einst Ort für die Toten, wurde die Gruft in ein Tageszentrum verwandelt und die Schülerinnen und Schüler konnten Ihre karikative Tätigkeit dort während der Winterzeit fortsetzen. Ursprünglich für zwei Stunden am Tag geöffnet, verbreitete sich die Nachricht so rasch, dass die Öffnungszeiten schon bald ausgeweitet wurden. Auch wurde das Angebot stetig erweitert, zunächst um saubere Kleidung, Duschmöglichkeiten und unterstützende Sozialarbeiter bis die Gruft im Oktober 1994 in den 24h-Betrieb überging und seitdem auch Schlafplätze zur Verfügung stellt.

Groß aufgetischt…

Auf der Speisekarte: Stefaniebraten mit Kartoffelpüree und Gurkensalat – ein Klassiker der Wiener Küche, genau richtig. Wie man sich vorstellen kann, waren Haushaltsmengen nicht ausreichend für bis zu 200 Personen. Stattdessen gingen Hafi und Karin vor unserem offiziellen Kochstart im Großhandel einkaufen. Hier der Einkaufszettel.

Gruft: Stefaniebraten
  • 40 kg Hackfleisch
  • 100 Eier
  • 75 Semmeln
  • 13 L Milch
  • 5 kg Zwiebeln
  • 2,5 kg Semmelbrösel
  • 5 große Gläser Gurken
  • 3 Hände Salz
  • 7 Beutel Petersilie
  • 2 Hände Majoran
  • 3 L Öl
  • 2 große Kisten Kartoffelpüreeflocken
  • 90 Salaturken
  • 7,5 L Sauerrahm
  • 4 ganze Knollen Knoblauch
  • 1 Hand Pfeffer
  • 1 L Essig

Vorbereitungen sind nicht wichtig…

Nachdem wir uns alle vor Ort eingefunden haben, gab es ein schnelles Briefing, um die Rollen zu verteilen. Die Zusammenarbeit von 3 verschiedenen Abteilungen war phänomenal. Wir kochten 100 Eier, schnippelten fünf Kilo Zwiebel, vermischten 40 kg Hackleisch in riesigen Bottichen und hobelten 90 Salatgurken. Schlussendlich beförderten wir ca. 25 große Braten, gefüllt mit Eiern, Essiggurken und Würsten, in einen Konvektomat. Die Arbeit war aber noch nicht getan – der Gurkensalat bekam seinen letzten Schliff, das Püree und die Sauce mussten noch zubereitet werden.

Wir mussten auch noch unsere Servierstationen vorbereiten, bevor wir uns ein paar Minuten ausruhten, um die Schlange an hungrigen Menschen, die sich bereits zu bilden begann, abzuarbeiten.

Der perfekte Arbeitsflow!

Der erste Teller wurde um 18:40 Uhr ausgegeben. Als nahtloses Fließband bot Katrin Obst oder Joghurt zum Nachtisch an, Karin platzierte das Kartoffelpüree auf den Teller, Hafi den Braten daneben, ich drapierte gebratene Zwiebeln auf das Püree und die Soße auf dem Fleisch, bevor Julia den Gurkensalat dazu servierte und zu guter Letzt den fertigen Teller an den Besucher mit einem Lächeln und, kein Scherz, mit 166 Mal „Guten Appetit“ übergab. Der letzte Teller wurde um 19:05 Uhr ausgegeben, als Christian, ein Mitarbeiter der Gruft und unser Küchenhelfer, „Essen Aus!“ rief – alle Gäste applaudierten!

Gruft: (en)joy

Wer schon mal 166 Teller in 25 Minuten serviert hat, um dann so bejubelt zu werden, kennt dieses wohlige Gefühl der Dankbarkeit, das einen überkommt. Wenn nicht, so kann ich es nur so beschreiben, dass ich mir vorstelle, wie sich die Soldaten in dem Film Gladiator fühlten, als sie die Schlacht gewannen. Maximus schreit „Roma Victor!“ und die überlebenden Soldaten heben ihre Schwerter und jubeln im Sieg *hier emotionale Hintergrundmusik einspielen*.

Der Unterschied ist natürlich, dass unser General nicht Maximus, sondern Christian war, unsere Schwerter waren Küchenutensilien, unsere Helme waren Haarnetze und unsere Rüstung die Schürzen. Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist jedoch, dass wir Leben feiern und nicht eine Schlacht. Es war ein unglaubliches Gefühl, das nur noch davon übertroffen wurde, dass einzelne Personen nach dem Essen zu uns kamen, um uns persönlich für das zu danken, was sie eine erstaunliche Mahlzeit, nannten.

Bei all der Emotion und dem guten Essen geht es nicht nur um eine einzige Mahlzeit oder ein paar Stunden Arbeit von ein paar Individuen. Es geht um das Verständnis zwischen verschiedensten Arten von Menschen und die Kompetenz Bedürdnisse einzelner Menschen zu erkennen die oft nur als Gruppe betrachtet werden.

Falls Sie auf den Geschmack gekommen sind, versuchen Sie es doch selbst einmal. Viele Städte bieten die Möglichkeit je nach Verfügbarkeit an einzelnen Tagen oder Abenden in Suppenküchen oder auch Tageszentren für Obdachlose mitzuhelfen.

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